Die Masse der Memeler zieht Sandkrug vor, ein grünes Kleinod auf Nehrungssand, von der Stadt keine zehn Fährminuten entfernt, viertelstündlich von modernen, geräumigen Fährschiffen angelaufen. Der Kurort konnte nur wenige Dauergäste im schönen Kurhaus über dem Haff, im historischen Alten Sandkrug oder in der Villa Einars aufnehmen. Dafür aber luden die Fähren an Sonntagen hier ihre Menschenfracht zu Tausenden aus. Zu allen Jahreszeiten, selbst im Winter, lockte Sandkrug einen großen Freundeskreis an, der sich an dem breiten Strand, dem ausgedehnten Wald und den angelegten Spazierwegen erfreute. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand die Gegend um den alten Sandkrug aus einer sandigen Wüstenei, die nur am Haffstrand einen Anflug von Grün hatte. Das einzige Gebäude war der erstmalig 1616 erwähnte, wahrscheinlich aber schon bedeutend ältere Krug auf einer fünfzehn Meter hohen Dünenkuppe am Haff - die letzte Station für Postreiter, Kuriere und reisende Herrschaften vor dem Übersetzen über das Haff. 1836 erhielt die Memeler Kaufmannschaft, die bei der Aufforstung der Memeler Umgebung einen rühmenswerten Bürgersinn bewies, wie man ihn heute vergeblich suchen wird, die Nehrungsspitze zur Bepflanzung übereignet. Mit dem Wald wuchsen die ersten Villen am Haffrand. Der Alte Sandkrug begrünte sich. Am Haff wölbten sich die Bäume des Kurgartens.
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